Konversation Deutsch – So unterrichtest du effektiv

Konversation Deutsch - So unterrichtest du effektiv

Wenn jemand darüber nachdenkt, seine Muttersprache zu unterrichten, ist die erste Idee meistens: „Ah, kein Problem, ich mache Konversationsunterricht, das ist einfach, da muss ich mich nur mit jemandem unterhalten.“ Tatsächlich kannst du dich auf italki als Community Tutor anmelden und es wird nicht mehr von dir verlangt, als dich mit deinen Schülern zu unterhalten. Nur leider ist das kein Konversationsunterricht, sondern Informal Tutoring. Bei mir heißt der entsprechende Kurs „Speaking Practise with useful tips and corrections for independent language learners“. Auch das ist schon ein bisschen mehr als einfach ein Gespräch, weil ich natürlich korrigiere und zwischendurch auch immer mal wieder Grammatik erkläre. Aber es ist kein Konversationskurs. Der heißt bei mir „Guided conversation based on texts, questions, pictures and short videos“. In diesem Artikel erkläre ich, wie ich mit Schülern arbeite, die diesen Kurs gebucht haben und wie auch du Konversation wirklich effektiv unterrichten kannst. 

Konversationsunterricht mit Anfängern (A1 - B1)

Im Allgemeinen bevorzuge ich es bei absoluten Anfängern (A1-Niveau) mit einem Buch zu arbeiten. Auch Stunden mit einem Buch beinhalten durchaus Konversation, aber zunächst einmal muss der Schüler ja eine gewisse Basis an Wortschaft und Grammatik aufbauen. 

Es gibt einige Menschen, die von Anfang an nur sprechen üben wollen und damit auch zurechtkommen. Das sind dann aber fast immer Personen, die bereits Erfahrung mit dem Erlernen von Fremdsprachen haben und 30-Minuten-Unterrichte buchen, um das zu üben, was sie bisher alleine gelernt haben. Die buchen Speaking Practice und nicht Konversation mit Materialien. Ist eine ganz andere Zielgruppe. 

60 Minuten Konversationsunterricht mit einem Anfänger auf A1 und niedrigen A2-Niveau sind fast immer für beide Seiten anstrengend. Der Wortschatz ist begrenzt, der Schüler hat noch viele Grammatiklücken, es ist einfach in den meisten Fällen keine gute Idee. 

Falls du jetzt doch jemanden auf dem Niveau mit Konversationsunterricht hast, dann korrigiere bitte nicht jeden einzelnen Fehler. Sonst bist du nämlich nur am Korrigieren. Zu viele Korrekturen sind genauso frustrierend wie keine Korrekturen. Scheu dich auch nicht, während so eines Unterrichts einen Grammatikaspekt etwas detaillierter zu erklären, wenn du merkst, dass der Schüler da etwas nicht verstanden hat und immer den gleichen Fehler macht. 

Ab A2 ist Konversationsunterricht gut möglich, allerdings musst du deine Materialien vom Wortschatz und der Grammatik her entsprechend anpassen, ebenso bei B1. Die Erstellung von guten B1-Materialien finde ich persönlich am schwierigsten, weil der Schüler weder unter- noch überfordert werden und die Themen interessant sein sollen. Zudem sind B1-Schüler in Bezug auf Konversation oft sehr unterschiedlich. Manche haben noch gravierende Lücken bei der Grammatik, können sich aber ohne größere Probleme unterhalten – allerdings mit vielen Fehlern. Andere habe sehr gut Grammatik gelernt, sich aber nie richtig unterhalten und haben auch Probleme beim Hörverstehen. Schüler, die zuvor Kurse beim Goethe-Institut belegt hatten, sind typisch für diese Gruppe. Also, nichts gegen das Goethe-Institut (ok, doch, ein bisschen), aber meiner Erfahrung nach trimmen die ihre Schüler wirklich in erster Linie auf korrekte Grammatik, während Konversation viel zu kurz kommt. 

Konversationsunterricht mit Fortgeschrittenen B2 - C2)

Mit Fortgeschrittenen ab B2 kannst du im Prinzip über jedes Thema sprechen. Ich frage meine Schüler selten, was sie interessiert, sondern eher, was sie überhaupt nicht interessiert. Jeder hat so seine Lieblingsthemen, aber die meisten von uns haben auch eine Meinung zu vielen anderen Sachen. Über unsere Lieblingsthemen wollen wir immer sprechen und meistens kennen wir das Vokabular in der Fremdsprache auch ganz gut. Schwieriger wird es dann bei Themen, die uns zu einem gewissen Grad interessieren, über die wir aber nicht häufig sprechen. Hier kommt dann die Herausforderung für den Schüler und hier kann er wirklich neue Vokabeln und Strukturen im Gespräch lernen. Themen, die den Schüler überhaupt nicht interessieren, kannst du hingegen getrost weglassen. Bei mir wären Autos und Fußball solche Themen, zumindest wenn es ins Detail geht. Ich habe andererseits kein Problem damit, darüber zu diskutieren, dass Autos umweltschädlich sind, und wenn es mal eine Fußballweltmeisterschaft gibt, kann ich auch kurz etwas dazu sagen. Kurz und gut, zwing deinen Schülern kein Thema auf, das sie gar nicht mögen. 

Je fortgeschrittener ein Schüler ist, desto konzentrierter musst du zuhören und auf Fehler achten. Das ist genau das, was viele Lehrer falsch machen. Sie freuen sich, dass der Schüler schon so gut spricht, steigen in die Unterhaltung ein und vergessen dabei, dass sie arbeiten. Dein Schüler bezahlt dich dafür, dass du ihm hilfst, sein Deutsch zu verbessern und das funktioniert nicht, wenn du ihn nicht auf Fehler aufmerksam machst oder ihm hilfst, ein besseres Wort zu finden, wenn er sich falsch ausdrückt. Und natürlich machen auch fortgeschrittene Schüler Grammatikfehler. 

Allerdings solltest du einen Schüler im Gespräch nicht ständig unterbrechen. Bei mir hat jeder Schüler ein GoogleDoc, welches wir für Korrekturen, neue Wörter und auch Hausaufgaben nutze. GoogleDocs synchronisieren automatisch und direkt, während du schreibst. Du musst also nichts speichern und der Schüler sieht sofort, was du tippst. 

Schreibe aber  bitte nicht nur ein Wort – außer, wenn das ein neues Wort ist und der Schüler keine weiteren Informationen braucht. Meistens passieren aber Fehler mit Präpositionen, Artikeln, Satzstruktur. Ich korrigiere das folgendermaßen: 

Schüler sagt: Ich habe für den Zug gewartet. 

Korrektur im GoogleDoc: Ich habe AUF den Zug gewartet. 

Bei Fehlern mit der Satzstruktur wiederhole ich den Satz richtig, ich schreibe es nicht immer auf. 

Aufmerksame Schüler verfolgen deine Korrekturen im GoogleDoc und vermeiden den Fehler zumeist, wenn sie die gleiche Struktur nochmals benutzen. Manche machen von sich aus eine Pause beim Sprechen und schauen erst einmal, ob sie meine Korrektur verstehen. 

Manche Schüler sind so im Gespräch involviert, dass sie die schriftlichen Korrekturen nicht wirklich sehen. Bei ihnen macht es Sinn, ca 10 – 15 Minuten vor Ende der Stunde die Diskussion des Themas zu beenden und sich gemeinsam die Fehler und Korrekturen anzuschauen. 

Du suchst ausführlichere Informationen zum Thema „Deutsch online unterrichten“? In meinem Buch erfährst du u.a. alles Wissenswerte über folgende Themen: 

  1. Die Plattform italki und wie du sie richtig benutzt
  2. Alles, was du über die deutsche Grammatik wirklich wissen und vermitteln können musst
  3. Notwendige Technik und Troubleshooting bei technischen Problemen
  4. Unterrichtsinhalte und wie du sie effektiv unterrichtest
  5. Typen von Schülern
  6. Unterrichten als digitaler Nomade

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