technische voraussetzunge für online-unterricht

Technische Voraussetzungen für den Online-Unterricht

Als ich 2012 angefangen habe, Deutsch online zu unterrichten, bin ich ziemlich unbedarft an die Sache herangegangen. Allerdings hatte ich vorher schon als Schülerin Online-Unterricht gehabt, sodass ich wusste, dass mein Internet schnell genug war und mein Computer alle technischen Voraussetzungen erfüllte. Genauso habe ich allerdings im Laufe der Jahre Sprachunterricht bei Lehrern gehabt, die definitiv nicht gut auf Online-Unterricht vorbereitet waren. Damit dir nicht das Gleiche passiert, starte ich mit diesem Beitrag eine Artikel-Reihe, in der es mehr um die Technik im weiteren Sinne geht als um den eigentlichen Unterricht. Heute geht es um die ganz profanen Voraussetzungen, was Hardware, Internetgeschwindigkeit und Video-Conferencing-Software betrifft. 

Desktop-PC, Laptop, Tablet oder Handy?

Ich habe mit einem Desktop-PC angefangen und nutze jetzt seit sechs Jahren ein MacBook Pro. Auch wenn ich selber bei Laptops ein Apple-Fan bin, kenne ich genug Online-Lehrer, die mit Windows arbeiten. Meiner Meinung nach sind Apple-Laptops weniger fehleranfällig, aber letztlich ist das deine Entscheidung. 

Mit einem iPad oder einem anderen Tablet lässt sich arbeiten, wenn du es zusammen mit einer Tastatur benutzt, aber auf Dauer wirst du wahrscheinlich feststellen, dass es nicht die optimale Lösung ist. 

Ein Handy ist ganz sicher nicht für den Online-Unterricht geeignet, kann dich aber in Notfällen retten. Zum Beispiel kannst du dein Handy als Hotspot nutzen, wenn kurzfristig der Strom ausfällt. Sollte das abends passieren, funktioniert das allerdings nur bei Audios-Calls, denn du sitzt im Dunkeln. Bei schlechtem Internet hast du die Möglichkeit, den Call über das Handy laufen zu lassen, aber ansonsten deinen Laptop zu benutzen. Das ist vom Datenverbrauch wesentlich günstiger, als das Handy als Hotspot zu nutzen und den Call per Laptop zu machen. Eine Stunde Skype übers Handy verbraucht etwa 400 MB, eine Stunde über Laptop hingegen fast dreimal so viel. 

Sonstiges Zubehör

Du brauchst eine funktionierende Kamera, Kopfhörer und ein Mikrofon. Falls du nicht gerade einen sehr alten Laptop hast, hast du bereits eine Kamera und brauchst dir darüber keine Gedanken mehr zu machen. Zu Beginn meiner Tätigkeit als Online-Lehrerin hatte ich noch eine externe Kamera. 

Es ist nicht notwendig, in ein teures Headset zu investieren. Da ich jahrelang als digitale Nomadin gelebt habe, hatte ich immer nur ganz einfache Kopfhörer mit Mikrofon, wie man sie an jedes Handy anschließt. Indem du einen Skype-Testcall machst, bei dem dir die Aufnahme nachher vorgespielt wird, kannst du leicht testen, ob es Hintergrundgeräusche gibt oder ob deine Stimme klar zu hören ist. 

Internetgeschwindigkeit

Natürlich solltest du qualitativ gute und funktionierende Hardware haben, aber Probleme macht eher die Internetgeschwindigkeit. Mit ziemlicher Sicherheit wirst du momentan zu Hause Internet haben und mit ziemlicher Sicherheit wird es schnell genug sein. Um sicher zu gehen, kannst du auf speedtest.net einen Test machen. Deine Download-Geschwindigkeit sollte mindestens 10Mbps and deine Upload-Geschwindigkeit mindestens 1Mbps betragen. Wenn du in Deutschland, Österreich oder der Schweiz wohnst, wirst du wahrscheinlich schnelleres Internet haben, aber falls du vorhast, auch im Ausland online zu unterrichten, kann es dir je nach Region durchaus passieren, dass du nicht auf diese Geschwindigkeit kommst. Der Speedtest gibt dir außerdem einen Wert für den PING an. Die PING-Zeit wird in Millisekunden gemessen und sagt dir, wie viel Zeit ein Datenpaket benötigt, um von deinem Rechner zu einem Server im Internet und wieder zurück zu gelangen. Mit einem PING-Wert bis zu 20 bist du auf der sicheren Seite, aber mach dir nicht zu viele Gedanken, wenn der Wert mal höher ist – sofern er nicht auf mehrere Hundert Millisekunden steigt. 

Software für Videokonferenzen

Ich arbeite nach wie vor meistens mit Skype, weil es trotz aller Macken weiterhin am bekanntesten ist und den Vorteil hat, dass automatisch ein kleines Videofenster geöffnet bleibt, wenn du auf andere Seiten gehst. Es gibt einige Länder, vor allem arabische, in denen Skype nicht funktioniert. In China hingegen ist es seit einiger Zeit nicht mehr blockiert. 

Seit Beginn der Coronakrise hat Zoom an Popularität gewonnen und vielleicht hast du es auch schon benutzt. Falls du Schüler hast, deren Internet nicht so schnell ist, ist Zoom eine gute Option, da es weniger Daten verbraucht als Skype. Allerdings hat es den Nachteil, dass du für jeden Unterricht ein Meeting anlegen und den Link dazu mitsamt Passwort mit deinem Schüler teilen musst. Falls du mit Kleingruppen arbeitest, brauchst du zudem eine kostenpflichtige Version von Zoom, da Gruppengespräche nur bis zu einer Dauer von 45 Minuten kostenfrei sind. Andererseits ist Zoom bei Gruppenunterricht definitiv die bessere Option. 

Eine Alternative für Notfälle ist das webbasierte whereby.com, da der Schüler nichts installieren oder einrichten muss. Ich rate dir, einen whereby.com-Account anzulegen und den Link zu deinem privaten Meeting-Room irgendwo zu speichern, wo du ihn schnell findest. Falls es dann mal Probleme mit Skype gibt und dein Schüler kein Zoom hat, teilst du schnell den Link und mit einem Click sind du und dein Schüler in der gleichen Videokonferenz. 

Ich habe auch schon Unterricht mit Hilfe von einer Facebook-Videokonferenz oder einem WhatsApp-Call auf dem Handy gemacht. Du musst dazu entscheiden, ob du deine Schüler als Facebook-Freunde und WhatsApp-Kontakt haben möchtest. Da ich auf meinem Facebook-Profil schon seit einiger Zeit nichts mehr poste und es in Lateinamerika (ich lebe in Peru) völlig normal ist, so gut wie jedem seine WhatsApp und damit Telefonnummer zu geben, war das für mich kein Problem. 

Falls du vorhast, dich auf den chinesischen Markt zu konzentrieren, solltest du bereit sein, in China übliche Software wie WeChat oder QQ zu installieren und zu benutzen. Ich habe das bisher nicht gemacht, da Skype wie erwähnt nicht mehr blockiert ist und meiner Erfahrung nach nutzen Chinesen, die Deutsch lernen, meist ein VPN. 

Wenn du über eine Plattform wie italki unterrichtest, hast du zumeist die Option, über eine plattformeigenen Videoconferencing-Software zu unterrichten. Im Fall von italki ist das seit Jahren eine Beta-Version, die bei mir regelmäßig Probleme macht, aber das kann bei dir anders sein. 

Egal, wofür du dich entscheidest, probier immer erst aus, ob alles funktioniert. Nichts ist nerviger, als zu Beginn des Unterrichts festzustellen, dass es technische Probleme gibt, die du vorher hättest lösen können. Auf Troubleshooting-Möglichkeiten zu immer wieder auftauchenden Problemen gehe ich in einem späteren Artikel noch einmal genauer ein. 

Hintergründe bei Skype und Zoom

Seit kurzem bieten sowohl Skype als auch Zoom die Option, deinen Zimmerhintergrund entweder blurry zu machen oder ein komplett anderes Bild als Hintergrund zu verwenden. Die zweite Option ist noch nicht ganz ausgereift und nicht geeignet, wenn du dich viel bewegst, weil dann Teile deines Körpers gerne mal verschwinden und wieder auftauchen. Das passiert auch bei der Blurry-Option, aber diese macht Sinn, wenn hinter dir viele Sachen stehen oder hängen, die ablenken. Probier es einfach mal in Calls mit Freunden aus und frage sie, wie bestimmte Hintergründe auf sie wirken. 

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  1. Die Plattform italki und wie du sie richtig benutzt
  2. Alles, was du über die deutsche Grammatik wirklich wissen und vermitteln können musst
  3. Notwendige Technik und Troubleshooting bei technischen Problemen
  4. Unterrichtsinhalte und wie du sie effektiv unterrichtest
  5. Typen von Schülern
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